Eat & Travel: Nancy

Endlich Frühling! Und zwar richtiger Frühling: blauer Himmel, Schäfchenwolken, die Temperaturen überspringen erstmals in diesem Jahr an einem Wochenende die 20 Grad-Marke und die Natur explodiert geradezu. Wenn’s blöd läuft, fängt nun die Heuschnupfensaison und mit ihr ein sich jährlich wiederholendes Martyrium an. Wenn’s gut läuft, muss man ins Freie.

Es lief gut: Für dieses Wochenende war ein Ausflug nach Nancy geplant. Die lothringische Stadt ist von Köln aus in unter vier Autostunden erreichbar. Mit der Bahn würde eine etwa fünfstündige Fahrt anstehen und da die Wenigsten am Bahnhof wohnen, verlängert sich die An- und Abreise entsprechend. Darüber hinaus hat das Auto – das in Nancy selbst nicht benötigt wird – einen weiteren Vorteil: es ist genug Platz vorhanden, um seine Einkäufe zu transportieren. Für diesen Zweck habe ich bei Ausflügen eine über die Autobatterie betriebene Kühlbox an Bord.

Nancy Impression

Die an der Meurthe gelegene Stadt ist mit ihren rund 100 Tsd. Einwohnern gut überschaubar. Da im Großraum Nancy etwa 400 Tsd. Menschen leben, ist sie aber alles andere als ein verschlafenes Nest. Hinzu kommt, dass Nancy Universitätsstadt ist und sich somit immer wieder verjüngt.

Eine klare Empfehlung ist unsere Unterkunft: das L’Hôtel Particulier. Das kleine Hotel, hotel nancydas sich im zweiten Stock eines schönen Altbaus befindet, verfügt über vier geschmackvoll eingerichtete Appartements und ein Zimmer. Wer mag, kann ein Frühstück, das auf dem Zimmer serviert wird, als Extra buchen. Ebenfalls als Extra buchbar ist ein Parkplatz direkt am Haus. Das L’Hotel Particulier liegt ruhig und dennoch zentral: direkt neben dem schönen Park Pepiniere und wenige Schritte von dem prachtvollen Platz Stanislas entfernt. Diese zentrale Lage ermöglicht den schnellen Wechsel von Alt- zu Neustadt (wobei die Gebäude der Neustadt im Wesentlichen im 17./18. Jahrhundert errichtet wurden – alles ist relativ).

Nancy verfügt über eine Markthalle, die ganztägig von Dienstag – Samstag geöffnet ist. Hier findet sich das saisonale Angebot an Obst, Gemüse und Fisch sowie rohes und verarbeitetes (Pasteten, Terrinen, Rilletes, etc.) Fleisch in großer Auswahl – ein Besuch ist sicherlich ein Muss für jeden Lebensmittelbegeisterten. Ich habe hier (mein erstes Mal!) Schweinefüße erworben, die noch auf ihre Zubereitung warten (ich werde berichten). Der Metzger hat eine separate Kühltheke ausschließlich mit Innereien – für Vieles kann ich mich (noch) nicht begeistern, Einiges weckt mein Interesse. Hinter der Markthalle befindet sich das Einkaufszentrum – eine Bausünde aus den 70er Jahren, die von innen nicht ganz so hässlich ist, wie von außen und unter anderem einen Supermarkt beherbergt. Ein Tipp ist indes der kleine Sonntagsmarkt in der Altstadt. Auf der Rue Markt Rue JacquotJacquot bauen vielleicht sechs, sieben Händler ihre Stände auf: Fleisch, Fisch, Käse, Obst & Gemüse finden sich hier in großer Auswahl und bester Qualität. Kein Vergleich zum Wochenmarkt an meinem Wohnort – ja, ich bin neidisch!

Die Rue Jacquot verbindet den Park Pepiniere mit der Grand Rue, der ehemaligen Hauptstraße der Altstadt. Tatsächlich ist die Grand Rue eine kopfsteingepflasterte pitoreske Einkaufsstraße auf der sich neben einigen Lokalen auch Wein- und Lebensmittelhändler finden. In der La petite épicerie fine comtoise (Hausnummer 86) findet ihr u.a. 48 Monate gereiften Comté, der ein herrlich würziges Aroma hat. In nördliche Richtung verlässt man die Grand Rue durch die Porte de la Craffe, ein beeindruckendes Stadttor aus dem 14. Jahrhundert. Nach einigen Schritten erreicht man das Restaurant Madame, das wir für unser erstes Abendessen ausgewählt haben. Es werden einzelne Gänge (kein Menü) angeboten, die man aus einer überschaubaren Karte wählt. Als Vorspeisen wählten wir thailändischen Entensalat mit Mango und Makrele mit Möhre und Shitakepilzen. Unsere Hauptgerichte waren Streifen vom gebratenen St. Pierre und Entrecôte vom Kalb. Die Nachspeise bestand aus Rhabarbervariationen und Passionsfrucht mit Bisquit. Die Bedienung war sehr freundlich und hilfsbereit und blieb trotz unserer sprachlichen Unzulänglichkeiten geduldig. Die Speisen waren von guten Qualität und das Preis-/Leistungsverhältnis passte. Einziger Kritikpunkt: der Fisch hätte früher von der Hitze genommen werden müssen, er war leider trocken.

Unser petit dejeuner haben wir uns am nächsten Morgen beim Bäcker besorgt und uns in die Sonne vorm Café Pinocchio am Place Saint-Epvre gesetzt. Café au lait und Croissant … manchmal kann es so einfach sein.

Eine kleine Enttäuschung erlebten wir, als wir uns vom Stadtrundgang am Ufer der Meurthe erholen wollten. Wir hatten erwartet, dass sich hier auch Cafés und Bistros finden würden und ehrlich gesagt verstehe ich überhaupt nicht, warum das nicht der Fall ist. Ein begrünter Seitenarm des Flusses, der zum Teil als Trainingsgelände für Kayak-Fahrer genutzt wird, lädt geradezu zum verweilen und genießen ein.

Nancy Stanislas2

Wir mussten also bis zum Abendessen warten, bevor es wieder etwas zu essen gab. Aber das Warten hat sich gelohnt! Wir hatten einen Tisch im Restaurant Le G27 (namensgebend ist die Rue Gambetta 27) für 19:30 Uhr reserviert. Meine Vermutung, dass in Lothringen eher deutsche Verhältnisse herrschen, was die Zeit fürs Abendessen betrifft, hat sich nicht bestätigt. Wir waren die ersten Gäste und blieben auch eine Zeit unter uns. Das Menü war hervorragend und mit EUR 43,- jeden Cent wert – bei der Weinkarte hatte ich preislich jedoch meine Probleme: die meisten Flaschen lagen oberhalb von 80 EUR, viele im deutlich dreistelligen Bereich. Vielleicht auch deswegen diente uns als Aperitif ein in Nancy gebrautes Bier: süffig und erfrischend zugleich – genau das Richtige, nach einem anstrengenden Tag 😉 Dazu gab es ein köstliches herzhaftes Gebäck – ein fluffiges Teigbällchen in dem Käse verarbeitet war.

Wir starteten mit einem Teriyaki-Rind mit glasierten Karrotten und einem Seesaibling mit Gurke. Als Hauptgang wurde zum einen Seeteufel mit einem Sellerierisotto und einer Muschelemulsion serviert,  zum anderen gab es Lammrücken mit fritierten und mit Hack gefüllten Mini-Artischoken. Ein Schokoladendessert und eine Nachspeise aus Zitrone und Ananas komplettierten das Menü – satt und glücklich sind wir zu unserem Hotel zurück gelaufen.

Vorbereitet wie ich war (die Kühlbox wollte ja noch gefüllt werden) fuhren wir Sonntag Vormittag zu dem Grand Frais vor den Toren der Stadt in Laxou. Grand Frais ist eine französische Supermarktkette, die (nahezu) ausschließlich Frischeprodukte verkauft. Als ich das erstemal vor ein paar Jahren eine Filiale betrat, hat es mich umgehauen: das Paradies! Ich musste in der Folge feststellen, dass es durchaus regionale Unterschiede gibt, gleich ist allen aber das Konzept: Fisch, Fleisch, Obst (viele Exoten), Gemüse und Käse von guter Qualität – warum haben wir so etwas nicht?

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