Eat & Travel: Münster

Yipieh – ein Wochenende in der Heimat! Münster ist ganz offiziell eine der lebenswertesten Städte der Welt! Heute nehme ich Euch auf einen kleinen Stadtrundgang, bei dem natürlichen der Genuss im Mittelpunkt steht, mit.

Für die Unterkunft empfehle ich zum einen das Factory Hotel, dass in der ehemaligen Germaniabrauerei untergebracht ist. Vom Factory Hotel gelangt man zu Fuß oder mit dem Rad, das man sich kostengünstig im Hotel leihen kann, in wenigen Minuten in die Stadt. Zum anderen gefällt mir sehr die Villa Medici. Die Villa Medici liegt etwas außerhalb – im Stadteil Mauritz – und bietet fünf individuell eingerichtete Zimmer an. Da man in der Villa Medici auch sehr gut essen kann, empfehle ich gerne das Gourmet-arrangement (5 Gang-Menü, Übernachtung, Frühstück). Bei der Hotelbuchung ist grundsätzlich zu beachten, dass die Stadt Münster eine Beherbergungsteuer in Höhe von 4,5% des Zimmerpreises für Privatreisende erhebt.

Mein typischer Aufenthalt in Münster ist sicherlich verbunden mit einer Shoppingtour durch die Innenstadt – die wesentlichen Straßen sind die Salz- und die Ludgeristraße sowie Münsters Gute Stube, der Prinzipalmarkt. LambertikircheDa, wo die Salzstraße auf den Prinzipalmarkt trifft, steht die Lamberti-kirche. Die Kirche wurde 1375 erbaut – vier Jahre später wurde das Amt des Türmers geschaffen. Der Türmer – seit 2014 eine Türmerin und damit erstmalig in der Geschichte der Kirche – bläst zwischen 21:00 und 24:00 alle 30 Minuten sein bzw. ihr Horn (um in vergangenen Zeiten die Bürger der Stadt auf drohende Gefahren hinzuweisen).

Auf meinem Foto kann man oberhalb der Turmuhr drei Käfige sehen. Hier wurden – wohl zur Mahnung – die Leichen der drei Wiedertäufer zur Schau gestellt, die sich in den Dreißigerjahren des 16. Jahrhunderts in Münster breit gemacht hatten.

Wenn man vor dem Hauptportal der Kirche steht und seinen Blick schweifen lässt, könnte man der Meinung sein, einen historischen Stadtkern vor sich zu sehen. Tatsächlich war Münster zwischen 1940 und 1945 insgesamt 102 Luftangriffen der Allierten ausgesetzt – man kann sich vorstellen, dass von dem historischen Stadtbild nicht viel übrig geblieben ist (meines Wissens ist allein das Haus Nr. 48 weitestgehend erhalten). Um so schöner, dass man sich beim Wiederaufbau der ehemaligen Fassaden erinnerte.

Die nordwestliche Verlängerung des Prinzipalmarkts nennt sich Drubbel. Hier standen bis 1906 eng gedrängt etwa 10 Wohn- und Geschäftshäuser – auf dem Kopfsteinpflaster ist dieser Bereich farblich hervorgehoben.

Der Straße weiter folgend erreicht man dieHolsteinButterhandlung Holstein, erste Anlaufstelle für eine Vielzahl von Delikatessen. Salate, Schinken, Pasteten, Käse, Wein und vieles mehr findet hier der Genießer – nicht ganz billig, aber sicherlich seinen Preis wert. Empfehlen kann ich den preisgekrönten (Delikatesse des Jahres 2014) Hubertus-Salat.

Schräg gegenüber der Butterhandlung Holstein findet sich eines der vielen Wahrzeichen der Stadt: der Kiepenkerl, der in diesem Frühjahr leider traurige Berühmtheit aufgrund einer Amokfahrt erfuhr in dessen Folge drei Menschen starben. Wenige Minuten, dem Straßenverlauf einfach folgend, erreicht man das Kuhviertel. Hier sind eine Reihe von (Studenten-)Kneipen beheimatet und die Brauerei Pinkus, die seit 1816 unterschiedliche Biere braut – heute  in Bioqualität. Nicht nur im Rheinland, sondern auch in Münster wird Altbier getrunken. Eine Besonderheit, bei der sich der Düsseldorfer vermutlich schüttelt, ist die Altbierbowle. Dabei werden ins Altbier Fruchtsirup und Früchte (zumeist Him- oder Erdbeeren) gegeben. Das Ganze ist ziemlich süß, aber ich vermute dass das gerade für Jüngere den Reiz ausmacht – Einstiegsdroge.

Pinkus im Rücken läuft man die Straße Katthagen bis zum Überwasserkirchplatz. Bevor man sich nun in Richtung Domplatz bewegt, erreicht man das Antiquariat Michael Solder – Schauplatz der Krimiserie, die sieben Jahre bevor Thiel und Boerne ihre Ermittlungen aufnahmen, erstmals produziert wurde: Wilsberg.

Markt

Mittwochs und samstags findet auf dem Domplatz ein großer Wochenmarkt mit über 150 Ständen statt. Insbesondere samstags ist dieser Markt bei Münsteranern und Touristen so beliebt, dass ich nach Möglichkeit schon vor acht Uhr meine Einkäufe erledige.

Die historische Alstadt ist von der rd. 4,5 km langen Promenade umgeben – einer Stadtbefestigung aus dem 13. Jahrhundert. Heute ist dieser Grüngürtel, auf dem keine Autos fahren dürfen, bei Fußgängern, Joggern und Radfahrern beliebt. Der Zugang zur Stadt über die Promenade, die einst wassergefüllter Stadtgraben war, wurde im 18. Jahrhundert durch Torhäuser gesichert.        VMauritztorhauson diesen Häusern stehen noch drei: die beiden Häuser am Neutor und das Mauritztorhaus, das heute dass hunderteins beherbergt – eine meiner Frühstücks-empfehlungen.

Eine weitere Empfehlung ist die im Hansaviertel gelegene Kaffeegießerei. Karin Jüdes-Sürken bietet hier in schönem Ambiente allerlei Leckeres. Dabei achtet Frau Jüdes-Sürken bei ihren hausgemachten Aufstrichen, aber auch bei Zugekauftem (wie Wurst, Eier, Käse) auf Bioqualität und Regionalität. Apropos Käse: das Hansaviertel grenzt an den Münsteraner Stadthafen, der sich seit einigen Jahren von einer Industriebrache in ein angesagtes Viertel verändert. Hier findet ihr u.a. die Hafenkäserei – eine Bio-Schaukäserei -, in der Ann-Paulin Söbbeke leckeren Käse wie z.B. den Käpt’n Pauli produziert.

Aber zurück zum Mauritztorhaus: in einer Minute geht man von hier zu einer Münsteraner Institution – dem Alten GLeveasthaus Leve. Wer gerne deftig speist und regionalen Spezialitäten gegenüber aufgeschlossen ist, kommt hier auf seine Kosten: Stielmuseintopf, Dicke Bohnen und saure Nieren stehen u.a. zur Auswahl. Natürlich darf auch die Münsteraner Spezialität nicht fehlen: Töttchen. Ursprünglich war Töttchen ein „Arme Leute Essen“, bei dem Kalbskopf und Innereien zu einem süß-saurem Ragout verkocht wurden – frei nach dem Motto „das Auge wird mitgegessen“. Modern interpretiert wird für das Töttchen Kalbfleisch und -zunge verwendet. Nimmt man Pilze, Ei und Sahne hinzu, würzt die Masse mit Salz, Pfeffer und Muskat und füllt man anschließend damit eine Blätterteigpastete, nennt sich das Ganze Ragoût fin. Vielleicht ist das Töttchen ja entstanden, als sich ein aus Frankreich vertriebener Hugenotte in Münster niederließ.

Der Volksmund behauptet, dass es in Münster entweder regnet oder die Glocken läuten. Passiert beides gleichzeitig sei Sonntag. Seit dem ich im Rheinland lebe weiß ich, dass es in Münster auch nicht mehr regnet als im Süden Nordrhein-Westfalens. Wie dem auch sei, nicht nur bei schlechtem Wetter kann ich den Besuch des letzten alten Kinos (mehrere wurden aufgrund der zunehmenden Verbreitung moderner Kinotechnologie abgerissen oder umgewidment, so befindet sich im ehemaligen Apollo nun eine Titus-Filiale), dem Schlosstheater, empfehlen. SchlosstheaterDas Schlosstheater befindet sich in dem vielleicht schönsten Stadteil Münsters, dem Kreuzviertel, genauer gesagt auf der Melchersstraße. Das ist für den genussbereiten Besucher der Stadt von Interesse, da sich ebenfalls auf der Melchersstraße das Brust oder Keule befindet. Eine übersichtliche tagesaktuelle Speisekarte mit Gerichten von guter bis sehr guter Qualität wird ergänzt durch eine Weinauswahl, die man in Münster sonst nicht so leicht findet. Wer nicht so gerne Wein, aber dafür gerne Bier trinkt, kommt in Münster auch auf seine Kosten. Wiedermal sind die Wege nicht weit: keine 10 Minuten braucht man zu Fuß vom Brust oder Keule zur Brauerei Finne auf der Kerßenbrockstraße. Seit 2016 braut hier ein junges, engagiertes Team Bierspezialitäten, die sich direkt vor Ort verkosten lassen. Mein Favorit ist das Pale Ale.

Ebenfalls im Kreuzviertel befindet sich die Hoyastraße, die im Kreis um eine weitere der vielen Kirchen, der Heilig-Kreuz Kirche, führt. An der Hoyastraße findet ihr einerseits den Nordstern. Der Imbiss hat bis 3:00 Uhr (!) geöffnet und bereitet die vielleicht besten Grillhähnchen der Stadt zu. Schräg gegenüber ist das Grotes – ein Kneipenrestaurant mit einer kleinen aber feinen Karte und tagesaktuellen Angeboten. Bei schönem Wetter kann man die Stimmung des Viertels auf der Terrasse herrlich aufnehmen.

Bei gutem Wetter empfehle ich einen Ausflug – möglichst mit der Leeze (ein nach wie vor in Münster gebräuchlicher Begriff für das omnipräsente Fahrrad) – zu den Schönen Aussichten bei Handorf. Hier sitzt man an der Werse, einem kleinen Zufluss der Ems, und kann leckeren Kuchen oder köstliche Bratkartoffeln genießen.

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