Eat & Travel: Languedoc

Vorab ein wenig Geographie: das Languedoc ist ein Teil der süd-französischen Region Languedoc-Roussillon, also eine der 18 französischen Gebietskörperschaften (ähnlich unseren Bundesländern). Diese Gebietskörperschaften unterteilen sich wiederum in Departements, im Falle des Languedoc-Roussilon sind dies Aude, Gard, Hérault, Lozère und Pyrénées-Orientales. Letztgenanntes entspricht grob gesagt (Erdkunde- und Geschichtslehrer werden mich sicherlich eines Besseren belehren) dem Roussilon.

Ich würde an dem Anspruch scheitern, wollte ich an dieser Stelle einen Überblick über das Languedoc geben. Was ich versuche möchte, ist dem Interessierten eine Orientierungsmöglichkeit von Ost nach West zu geben, wenn er auf der Suche nach Lebensmitteln und Restaurants ist. Ich fange dabei im Osten in Avignon (ja, ich weiß dass Avignon östlich der Rhône und damit gerade nicht mehr im Languedoc liegt) an und arbeite mich bis zum Canal du Midi vor. Gleichwohl empfehle ich dem Reisenden, sich zentral im Languedoc eine Unterkunft zu suchen – so lässt sich alles mit vertretbarem Zeitaufwand erreichen (wir hatten in diesem Jahr ein kleines Stadthaus in Calvisson gemietet). Eine Idee, die ich vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt aufgreife, ist eine ausführliche kulinarische Beschreibung der Städte Avignon, Nimes und Montpellier – dieses würde hier den Rahmen sprengen.

Wer als Tourist nach Avignon reist, tut dieses zumeist mit dem Ziel, dem Papstpalast (sitzt der nicht Rom?) und der bekannten Brücke einen Besuch abzustatten. Das von der Brücke nur ein Rest vorhanden ist (weil die Erbauer die Strömung der Rhône falsch eingeschätzt haben) und auf dieser vermutlich nie, sondern wenn, dann unter (sous), getanzt wurde, sind für mich eher Nebensächlichkeiten. Hat man dieses (Pflicht-)Programm absolviert, stellt sich die Frage, wo man einkehrt. Meine Empfehlung ist das Le Coin Caché auf dem Place Cloître Saint-Pierre. DSC_0657Auf diesem kleinen Platz sitzt man (fast) ohne Autoverkehr herrlich unter alten Platanen und kann das Leben genießen. Wir haben hier einen herrlichen Salat mit Huhn und ein Tartar von der Dorade genossen. Ein leckerer Weißwein dazu und une carafe (fast überall in Frankreich erhält man kostenlos Tafelwasser – eine der vielen von mir so geschätzten Eigenheiten, die ich gerne auch in Deutschland hätte) – das Leben sieht gleich so freundlich aus. Zum Dessert gab es leckere Kleinigkeiten mit einem Espresso – den sogenannte Café Gourmand, der einem die Auswahl der Nachspeise enorm erleichtert.

Mit wenigen Ausnahmen liebe ich (französische) Märkte und Markthallen – die Halle von Avignon ist eine der Ausnahmen. Wenn ich irgendetwas Nettes sagenDSC_0572 soll, dann vielleicht, dass der hässliche Klotz auf dem Place Pie durch eine begrünte Außenfassade etwas aufgehübscht wurde – das war es aber auch schon. Was für ein Glück, dass einer der aus meiner Sicht schönsten Wochenmärkte fußläufig entfernt liegt. Und schon verlasse ich Avignon wieder, überquere die Rhône (betrete damit endgültig das Languedoc) und stehe im beschaulichen Villeneuve-lès-Avignon.

Tipp: sollen beide Städte an einem Tag besucht werden, bietet sich der kostenfreie Parkplatz auf der Rhône-Insel (Parking Relais de l’Île Piot) an. Fußläufig erreicht man beide Orte.

Villeneuve-lès-Avignon ist schön! Und weil das so ist, wählen seit dem 19. Jahrhundert wohlhabende Bürger aus Avignon diesen Ort als ihren Wohnsitz – ein Trend, der unverändert anhält. Vielleicht zieht Schönheit Geld an und andersherum und vielleicht ist das der Grund, warum der angesprochene Wochenmarkt, der donnerstags auf einem Parkplatz an der Avenue Charles stattfindet, so herausragend ist. DSC_0646Hier wird alles angeboten, was sich der Lebensmittel-Begeisterte wünscht. Und als würde dies nicht schon reichen, befindet sich am Platz das schöne Café Petite Cuillère, in dem man sich vom Einkaufen erholen kann. Wer noch Lust und Zeit hat, durch Villeneuve-lès-Avigon zu laufen und vielleicht Appetit bekommt, dem sei das Le Bistrot du Moulin empfohlen.

Schaut man sich die Orte im Languedoc genauer an, wird man feststellen, dass viele von ihnen offensichtlich eine große Vergangenheit hatten, aber im Laufe der Zeit irgendwie unter die Räder gekommen sind. Zunehmend mehr dieser Orte schaffen es, sich wieder ein schönes Stadtbild zu geben und damit für den Touristen (und den Bewohner) attraktiv zu machen. Wenn dann noch mittelalterliches Gemäuer so gut restauriert wird, wie im wunderschönen Uzès, geht mir das Herz auf. Uzès liegt rd. 45 Autominuten von Avignon entfernt – nach Zweidrittel der Strecke kann man an der weltberühmten Pont-du-Gard einen Zwischenstopp einlegen. Der empfehlenswerte Wochenmarkt findet auf dem autofreien Place aux Herbes Mittwoch und Samstag Vormittag statt. DSC_0629 Der Markt kann in wenigen Minuten vom Parkplatz an der Avenue de la Gare (Hinweis: der Parkautomat akzeptiert nur Münzen) zu Fuß erreicht werden. Gegessen haben wir dieses Jahr im Le 80 Jours an der Rue des Casernes. Dieses nette Restaurant hat einen schönen und ruhigen Garten in dem es sich prima aushalten lässt – mir ist ein Rätsel, warum viele Gäste offensichtlich lieber ihren Platz an der befahrenen Straße wählen. Wir haben im Garten u.a. eine leckere Brandade und ein Rinderfilet genossen.

In südlicher Richtung von Uzès liegt Nîmes. In früheren Jahren hatte ich meine Probleme mit der Stadt was insbesondere an den eingeschränkten Parkmöglichkeiten und einer gewaltigen Innenstadtbaustelle lag. Heute ist der Platz Esplanade Charles-de-Gaulle renoviert und lädt zum Verweilen ein. Unter ihm kann man im Parkplatz Parking des Arènes (Boulevard de Bruxelles) sein Fahrzeug abstellen. Gefühlt gibt es an jeder Ecke dieser schönen Stadt ein kleines Restaurant – wie oben geschrieben, werde ich mich zu den diversen Einkehrmöglichkeiten an anderer Stelle äußern. Die Markthalle von Nîmes – in der Vergangenheit ein ähnlich geschmackloses Gebäude wie in Avignon – wird seit Jahren verschönert. Zwar ist man noch nicht am Ziel angekommen, aber die Verbesserung ist augenfällig.

Weiter nach Westen kommt man durch eine Reihe von Orten, von denen sich  mehrere als Quartier für den Urlaub anbieten. Wir kannten Calvisson schon aus früheren Urlauben – insbesondere aufgrund des Marktes, der immer sonntags Vormittag abgehalten wird. Dabei ist uns aufgefallen, dass sich der Ort von Jahr zu Jahr gemäß dem Motto „Unser Dorf soll schöner werden“ optisch weiterentwickelt. Ganz neu im Ort ist das RestauranLeVaunageolt Le Vaunageol auf der Avenue Jean de Lattre de Tassigny. Der französische Chef und seine mexikanische Ehefrau sind mit viel Herzblut und Herzlichkeit dabei, sich in Calvisson mit klassischer französischer Küche und mexikanischen Spezialitäten eine Existenz aufzubauen. Haute Cuisine erwartete einen hier nicht und ob die mexikanische Küche von den Bewohnern des Ortes angenommen wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall erwartet den Gast aber leckere französische Küche zu sehr guten Preisen. Wir haben uns u.a. an einem frischen Lachstartar und einer Kaninchenterrine erfreut.

Von Calvisson erreicht man z.B. über den Voie Verte – eine ehemalige Eisenbahntrasse – Sommières mit dem Fahrrad mit wenig Anstrengung, da wie für Eisenbahntrassen üblich nur eine geringe Steigung überwunden werden muss. Wer es sportlich mag, findet mit dem Mountainbike auch mittlere bis anspruchsvolle Wege durch das Hinterland. Was Sommières selbst angeht, bin ich hin- und hergerissen. Einerseits hat diese Stadt einen eher morbiden Charme und der Wochenmarkt (samstags) entspricht nicht wirklich meinem Geschmack. Andererseits befindet sich hier eine hervorragende Ölmühle (politisch gehört die Ölmühle zwar zum Nachbarort Villevieille, man läuft aber nur wenige Meter vom Ortskern): die Moulin de Villevieille. Die sortenreinen Öle, die hier verkauft werden, gefallen uns sehr gut – ein Teil unseres Kofferraumes ist stets reserviert, um dieses Öl ins Rheinland zu bringen. Außerdem essen wir jedes Jahr köstlich in der Brasserie chez Tibère DSC_0634direkt an der Vidourle. Dieses Mal haben wurde uns u.a. Tête de Veau und gegrillter Wolfsbarsch serviert. In Sommières ist darüber hinaus die Brauerei Brasserie des Garrigues, die in meinen Augen den Beweis angetreten hat, dass in Frankreich nicht nur guter Wein gekeltert, sondern auch respektabeles Bier gebraut wird. Ich empfehle das „La Belle en Goguette„. Dieses obergärige Bier mit 6% alc. vol und 20 IBU wird ungefilltert angeboten und ist ein schöner Aperitif nach einem anstrengenden 😉 Urlaubstag. Zwei Einkaufstipps in der näheren Umgebung: Zum einen wird zwar viel Wein im Langeduoc produziert – ich bin aber häufig mit der Qualität unzufrieden. Eine positive Ausnahme machen die Weine vom Mas Montel. Der Weiße „Les Marnes“ ein Cuvee aus Roussanne, Grenache Blanc und Viognier schmeckt mir hervorragend zu Geflügel – nicht nur vor Ort, sondern auch in Wintermonaten zuhause. Zum anderen kann man besten Honig bei Nectars du Soleil (Chemin de la Tuilerie, Gailhan) erwerben – auch hiervon haben wir stets einige Gläser im Keller.

Auf der Genussreise geht es weiter in Richtung Westen und zwar nach Montpellier. Auch hier möchte ich zuerst eine Empfehlung zum Parken geben: das Parkhaus an der Rue Pitot Kreuzung Allée Jean Raymond. Dieses Parkhaus ist groß, gut zu erreichen und besticht durch seine zentrale Lage. Für uns ist der beste Besuchstag der Dienstag, da dann die Stände des Marché des Arceaux aufgebaut sind. Der Marché des Arceaux ist neben dem Markt in Villeneuve-lès-Avignon der vielleicht Schönste der Region. Vom vorgenannten Parkhaus ist man in weniger als fünf Minuten am Markt und das sehen, riechen und schmecken und natürlich einkaufen kann beginnen. Nachdem man seine Einkäufe im PKW gut verstaut hat ist man in ebenfalls wenigen Minuten in der Altstadt und kann die wohlverdiente Mittagspause genießen. Ich empfehle hierfür das Napoleon Dynamite am Place de la Canourgue. Von Platanen beschattet kann man hier eine der sogenannten „Superbowls“ genießen. Jeden Tag gibt es drei unterschiedliche Schalen zur Auswahl – zumeist Fleisch, Fisch und Vegetarisch, so dass jeder auf seine Kosten kommt.

Bei all dem Stress soll die Erholung nicht zu kurz kommen. Insofern empfiehlt sich hin und wieder einen Strandtag einzulegen. Leider sind die erreichbaren Strandabschnitte aus meiner Sicht nur bedingt schön. Der vielleicht Schönste ist der Plage de l’Espiguette in der Nähe von Le Grau-du-Roi. Allerdings muss man, will man für sich sein, vom gebührenpflichtigen (6 EUR/ Tag) Parkplatz relativ lange laufen – es lohnt sich jedoch. Alternativ bietet sich der Strand bei Frontignan an. Kurz nachdem die D114 auf die D60 trifft, steht ein gebührenfreier Parkplatz zur Verfügung. Hier gibt es mit „Le Spot“ ein kleines Restaurant, das auch Liegen und Sonnenschirme vermietet. In gut 20 Minuten erreicht man von Frontignan Bouzigues – den Hotspot für Austern. In demDSC_0598 Etang de Thau werden die Tiere gezüchtet und in kleinen Restaurants direkt am Wasser angeboten – frischer (und günstiger) geht es kaum. Meine Empfehlung ist das Chez Alex et Lucie. Austern und Miesmuscheln, frisch und gratiniert, eine Flasche Weißwein, Wasser und Brot bei herrlichem Sonnenschein mit Blick aufs Wasser: mehr braucht es nicht. Na ja, ein Kaffee und eines der leckeren Desserts vielleicht noch, aber dann ist man wirklich ganz weit vorne! Nicht zu vergessen, dass Lucie dem Gast den Eindruck vermittelt, dass sie ihre Arbeit wirklich liebt. Die Dame ist mehr als herzlich!

Wenn man nun glaubt, man ist im Paradies angekommen, dann ist das zwar nicht ganz verkehrt, aber auch nicht ganz richtig. Das Paradies hat tatsächlich einen anderen Namen: Le Pourquoi Pas. Dieses Restaurant DSC_0637am Canal du Midi ist mit dem Auto nicht ganz so leicht zu erreichen, aber es lohnt sich. Am Besten verbindet man einen Besuch mit einer Radtour am Kanal und belohnt sich nach getaner Arbeit. Hier wurde mir dieses Jahr eine südfranzösische Spezialität angeboten, die ich zuvor nicht kannte – Gesiers de Canard, zu deutsch Entenmagen. Zugegebenermaßen war ich mir nicht sicher, ober ich diese Innerei wirklich probieren sollte. Ich habe es getan – die Stücke der confierten Mägen mit Streifen von geräucherter Entenbrust auf Salat waren der Knaller, zart und aromatisch! Und noch überraschter war ich, als uns der Chef erklärte, dass man die confierten Mägen in Dosen in jedem Supermarkt erwerben könne. Ihr könnt Euch vorstellen, welches Gericht ich demnächst auf eatingrabbits.com veröffentlichen werde!

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