Eat & Travel: Maastricht

Wenn – was selten genug vorkommt – die Straßen frei sind, brauche ich keine Stunde um in diese wunderschöne Stadt unserer niederländischen Nachbarn zu gelangen. Dementsprechend zieht es mich zumindest einmal im Jahr dorthin. Immer wieder lese ich, dass man sich der Stadt doch unbedingt bei schönem Wetter nähern sollte. Das ist eine Banalität: natürlich ist Maastricht bei gutem Wetter schöner als an Regentagen – welche Stadt nicht? Ich empfehle Maastricht jedoch an allen Tagen … nein, doch nicht. Es gibt Ausnahmen – die eine: an Montagen haben viele Geschäfte zumindest vormittags geschlossen und auch eine Reihe von Restaurants öffnen am Montag nicht. Die andere lässt sich an einer Hand abzählen: Feiertage in Nordrhein-Westfalen, die in den Niederlanden keine sind. An solchen Tagen wird Maastricht, wie auch seine nördlichen Nachbarn (Roermond, Venlo, Enschede) von einer Plage an deutschen Touristen heimgesucht, dass mir ein Besuch keinen Spaß macht – den Einzelhandel hingegen wird es freuen. Last but not least: Maastricht ist Hochburg des niederländischen Karnevals. Wer keinen Spaß am jecken Treiben hat, sollte zu der Zeit die Stadt ebenfalls meiden.

Man kann Maastricht mit der Bahn erreichen – dauert aber ewig und kostet zuviel. Autofahrer müssen allerdings die Parkfrage klären – nicht ganz einfach, da ein abstellen am Fahrbahnrand meist nicht möglich bzw. nicht erlaubt ist. Mein Tipp: Das Parkhaus De Griend unmittelbar an der Maas oder der P+R Platz direkt am Bahnhof (in beiden Fällen gilt ein Tagestarif (24h) von 13 EUR). Diesen Plätzen ist gemein, dass man von dort fußläufig schnell beide Hotels, die ich empfehlen möchte, erreicht. Zum einen wäre dies das Kaboom Hotel, zum anderen das Townhouse Design Hotel. Beide Häuser sind modern eingerichtet und bieten großzügige Zimmer zu einem fairen Preis. Den großen Luxus findet man hier nicht – ich gebe mein Geld aber auch lieber für was anderes aus.

Die vorgenannten Häuser befinden sich im Stadtteil Wyck und damit auf der rechten Seite der Maas. Von hier gelangt man über die Stationsstraat bzw. die Wycker Brugstraat über den Fluss in die Altstadt. Zuvor lohnt es sich aber, Wyck zu erkunden. Einzelhandel und Gastronomie findet sich hier zuhauf – auf zwei Adressen möchte ich hinweisen: Zum einen das van Wyck, Cafeein noch relatives junges Cafe mit einem guten Frühstücksangebot auf der Wycker Brugstraat. Zum anderen das Le Salonard, ein Einzelhandel mit einer spannenden Käse- und Weinauswahl auf der Rechtstraat 84. Hier bekommt ihr u.a. das von mir geliebte Krenten-Venkel-Brood (Rosinen-Fenchel-Brot) – super lekker! Ein weiteres Ladenlokal von Le Salonard findet sich noch auf der anderen Maasseite auf der Maasrichter Heidenstraat.

Apropos andere Maasseite: über die Hoge Brug überquert man trockenen Fußes die Maas. Mir ist es ein Rätsel, was sich Archtikten bei dieser Brücke gedacht haben. Der Abstand der einzelnen Stufen verhindert aufgrund einer absurden Schrittlänge einen normalen Gang.

Auf der anderen Seite angekommen findet sich hinter der alten Stadtmauer die Sint Bernadusstraat. Ihr entdecInschriftkt hier den Sinnspruch, der ungefähr bedeutet (zu mehr reicht mein holländisch nicht):

Die Worte, die uns trieben schrieb das Leben in den Stein. Laut singen sie ungerührt in den uns umgebenden Fassaden.

Für mich viel interessanter ist jedoch das Lokal, auf das man nach wenigen Metern trifft: das Tout á Fait – Hammer! Einschränkend muss ich allerdings auf den – seit ich das Lokal kenne – ständig steigenden Preis hinweisen. Das Menü, das ausschließlich tischweise serviert wird, kostet 75 – 115 EUR pro Person (4 – 8 Gänge). Wer sich etwas besonderes leisten möchte ist hier indes bestens aufgehoben. Alternativ bietet sich das Mittagsmenü (35 – 55 EUR) an – 3 bis 5 Gänge.

Für meinen Rundgang gehe ich wieder die paar Schritte bis zur Achter de oude Minderbroeders (ja, so heißt die Straße) zurück und gelange so auf die Rückseite der Bäckerei Bisschopsmolen. Die Wassermühle läuft heute noch und wird durch das kleine Flüsschen Jeker angetrieben. Noch ein paar Schritte weiter gelange ich rechts auf die oben bereits benannte Maastrichter Heidenstraat, der man über die Bredestraat bis zum Vrijthof, einem Platz, der von den Römern als Friedhof genutzt wurde.

StraßeBevor ich nun zu der Capucijnenstraat komme, die der interessierte Leser schon aus meiner Rezension des Le Bon Vivant kennt, mache ich einen kleinen Abstecher in westliche Richtung. Nach fünf Minuten erreiche ich das Kruisherenhotel. Zum Hotel kann ich wenig sagen, da ich hier nicht übernachtet habe. Das Besondere ist, dass es sich um ein Kloster aus dem 15. Jahrhundert handelt und das angeschlossene Restaurant seinen Platz in der gotischen Klosterkirche gefunden hat – ein stimmungsvolles Ambiente für einen schönen Abend! Das Restaurant habe ich kennengelernt, da ich montags auf der Suche nach einem Platz für ein Abendessen war (nicht ganz einfach (vgl. oben)). Aufgrund des Hotelbetriebs konnten wir hier zu Wochenbeginn ein hochwertiges Menü (auf Wunsch mit Weinbegleitung) genießen.

Die alternative Nutzung aufgegebener Kirchen hat in Maastricht Tradition: die vielleicht schönste Buchhandlung der Welt, zumindest wenn man dem Guardian glaubt, die Maastrichter Filiale der Kette Selexyz, ist in einer ehemaligen Dominikanerkirche mitten in der Stadt untergebracht. Seit 2006 (zuvor wurde die Kirche als Fahrradgarage genutzt) kann man hier nicht nur Bücher kaufen, sondern auch Kaffee und Kuchen konsumieren.

Nun aber endlich auf die Capucijnenstraat: das Le Bon Vivant Marres Kitchenauf der rechten Straßenseite liegen lassend, erreiche ich nach wenigen Metern links das Marres Haus. „Mit Ausstellungen, Lesungen, Forschungen, Aufführungen und Publikationen erforscht das Marres Haus für zeitgenössische Kultur die bildenden Künste im weitesten Sinn“, soweit die Eigendarstellung. Zum Marres Haus gehört aber auch Marres Kitchen – und schon ist der Kulturbanause wieder im Spiel! Ich würde die Küche am ehesten als Mittelmeerküche bezeichnen, mit (insbesondere bei den Vorspeisen) einer starken Ausrichtung an den Speisen Nordafrikas und des Nahen Ostens. Für mich die perfekte Mittagspause! Bei gutem Wetter lassen die Speisen im schönen Garten des Hauses genießen.

Der Capucijnenstraat weiter folgend findet sich auf der nun wiederum rechten Straßenseite eine ehemalige Feuerwache. Die Brandweerkantine bietet eine einfache Küche für das eher studentisch geprägte Publikum sowie eine Kleinkunstbühne. Ähnlich wie bei den Kirchen zeigt sich hier Einfallsreichtum wenn es um Nutzungskonzepte bestehender Gebäude geht – der (mitunter nachvollziehbare) Trend vieler deutscher Städte, nämlich den knappen Raum weiter zu verdichten, widerspricht regelmäßig ideenreichen Alternativen. Die Zukunft wird zeigen, ob die Reduzierung urbaner Fläche auf (zumeist teuren) Wohnraum der richtige Weg ist.

Zurück in Richtung Maas kommt man an mehr oder weniger attraktivem Einzelhandel vorbei – u.a. an den Filialen der bekannten niederländische Ketten ah, hema, blokker, Kruidvat, Dille & Kamille etc. Aber auch an einer Vielzahl kleiner Läden, deren Besuch sich lohnt. Am Markt (die Straße heißt ebenso) findet jeweils freitags ein schöner Wochenmarkt statt. Gerne kaufe ich hier Fisch – die Auswahl ist größer und günstiger als bei uns. Ein Abstecher führt uns auch stets in das Fachgeschäft Kookhuis aan de Maes – ein Fachhändler für alles rund ums kochen.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes findet sich ein kleines Einkaufszentrum, das im Keller einen asiatischen Supermarkt beherbergt – amazing oriental. Hier findet sich immer irgendetwas, das meine Aufmerksamkeit erregt und unbedingt in die heimische Küche importiert werden muss!

Wieder zurück auf der anderen Maasseite findet sich am Ufer des Flusses die Stadsbrouwerij de Maastrichter Maltezer.  Die Brauerei, die wohl Anfang des 19. Jahrhunderts und damit zu einer ZeitBrauerei, in der in Maastricht über 40 Brauereien ansässig waren, gegründet wurde, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Die Familie de Ridder, Eigentümerin der Brauerei hielt auch während des zweiten Weltkrieges durch (zu dieser Zeit hatte sich die Anzahl der Brauereien in Maastricht bereits auf 9 reduziert). 1982 schließlich verkaufte die Familie ihr Eigentum an die Großbrauerei Heineken – zu der Zeit gab es keine weitere Brauerei in Maastricht -, die ihrerseits 2002 schloss, da angabegemäß die Produktionskapazität zu gering geworden sei. Im Juni 2018 wurde die Brauerei wieder geöffnet – zeitgemäß um ein Ladenlokal und eine Brasserie ergänzt.

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