Pinienkerne

Ich weiß nicht, wie lange es her ist – es muss eine halbe Ewigkeit sein. Zu jener Zeit war ich noch bereit, meinen Urlaub mit Schlafsack und Isomatte zu verbringen. Eine Idee, die mir heute geradezu lächerlich erscheint. Zu groß ist die Sorge, dass ich morgens meine Knochen nicht mehr so sortiert bekomme, dass mich diese durch den Tag tragen. Es soll aber gar nicht um meine körperliche Verfasstheit gehen, sondern um Pinienkerne.

Pinienkerne kommen in der mediterranen Küche zum Einsatz – wen wundert’s, wachsen Pinien doch vor allem in den Mittelmeerländern. Nach etwa 20 Jahren bilden sie Zapfen, die von den Pflückern mit Stangen abgeschlagen werden. Die Zapfen werden getrocknet, so dass die Kerne aus ihnen herausfallen. Um an den Samen (den wir umgangssprachlich Pinienkern nennen) zu gelangen, muss der Kern noch geschält werden – alles in allem also sehr viel manueller Einsatz für wenig Ertrag, was natürlich seinen Preis hat.

Falls Ihr Euch manchmal nicht nur über den Preis, sondern auch über die Preisunterschiede bei diesen Kernen wundert, liegt das in der Regel an Herkunft (und Art). Neben der europäischen Pinie existieren noch viele weitere Arten und so wird u.a. in der Mongolei, China und Korea Geld mit diesen Kernen verdient – der Arbeitslohn erklärt somit zum Teil den Preisunterschied. Darüber hinaus können die Zapfen mit „Rüttlern“ vom Baum gelöst werden – kennt man auch bei uns, z.B. in der industriellen Obsternte. Das ist zwar nicht nachhaltig, da die Pinie ein solches rütteln mitunter nicht überlebt, spart aber kurzfristig. Schließlich gilt unter Feinschmeckern der Samen der europäischen Pinie, der sich auch in der Form von seinen Verwandten unterscheidet, als überlegen. Geschmackssache halt… aber auch das mag den Preis beeinflussen.

Das Rezept für den Kuchen habe ich aus dem Kochbuch „Genial Italienisch“ von Jamie Oliver. Er wiederum verweist auf eine junge Dame namens Sara bzw. ihre Mutter. Ich habe das Rezept wie folgt angepasst:

Den Ofen auf 180° Celsius vorheizen. Eine kleine Springform mit Butter ausstreichen und den Boden mit feinem Paniermehl dünn bestreuen. Nun

125 g Butter auslassen und diese mit

250 g Mehl (Typ 00, alternativ 550 oder wer experimentieren möchte versucht es mal mit Dinkelmehl),

2 Eiern,

200 g Zucker,

1 Prise Salz,

Abrieb und Saft einer 1/2 Zitrone sowie

1/2 Päckchen Trockenhefe (alternativ 10 g frische Hefe, diese dann mit etwas Wasser glattrühren)

gut, i.e. für mehrere Minuten, mixen.

Alles in die Form geben und so viele Pinienkerne darauf verteilen, wie man hat bzw. wie passen (in meinem Fall waren es irgendetwas zwischen 50 und 100 Gramm). Nach 30 Minuten kontrollieren, ggf. den Kuchen mit Alufolien abdecken, um die Kerne vor dem Verbrennen zu schützen, und so lange backen, bis der Teig fest ist.

Was sollte nun die Geschichte zu meinen Campingerfahrungen? Ganz einfach: wir zelteten seinerzeit auf der Île de Ré direkt am Strand und umgeben von Pinien. Die Zapfen lagen am Boden verteilt und ich knibbelte die Kerne aus ihnen heraus, anschließend zerschlug ich die Kerne mit einem Stein, um an den Samen zu gelangen. Es dauerte ewig, bis ich eine kleine Handvoll zusammen hatte und mir wurde zweierlei klar: zum einen können Pinienkerne nicht billig sein und zum anderen liegt der Wert eines Urlaubes in der Zeit, die man für scheinbare Banalitäten erübrigen kann. Heute weiß ich nicht nur, wie sich eine Nacht auf einer Isomatte anfühlt, sondern auch wie schön es sein kann, den Tag auf einer Mauer zu sitzen und Pinienkerne zu knacken… ist doch was, oder?

3 Kommentare zu „Pinienkerne

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